Unerschrockene Forscher bewohnen seit Februar 2009 die Antarktisstation Neumayer III. Neben der wissenschaftlichen Arbeit stehen noch viele weitere Aufgaben auf dem Programm – auch ein Hiab Kran ist mit von der Partie.
In den Weiten der Antarktis ragt ein auf sechs Meter hohen Stelzen stehendes Gebäude aus dem endlosen Eis. Dick vermummte Männer steigen am Fuße der Anlage aus einem Pistenbully mit aufgebautem HIAB 085 Kran und suchen Zuflucht vor der erbarmungslosen Kälte. Es sind Forscher, und ihr Zufluchtsort ist die Station Neumayer III, eine deutsche Polarforschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts. Die Station befindet sich auf dem Ekström-Schelfeis in der Atka-Bucht, im nordöstlichen Weddell-Meer. Wie der Name schon verrät, handelt es sich bereits um die dritte Einrichtung dieser Art, die nach dem deutschen Geophysiker Georg von Neumayer benannt ist. Im Jahr 1981 ist die erste Neumayer-Station auf dem Ekström-Schelfeis als wissenschaftliches Observatorium für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie sowie als logistische Basis für Sommerexpeditionen errichtet worden. Anfang der 1990er Jahre machten Eisbewegungen und Schneelast den Bau eines neuen Forschungsgebäudes notwendig. Im März 1992 wurde schließlich die Neumayer II fertig gestellt – nur zehn Kilometer vom ursprünglichen Standort entfernt. Im Laufe der Jahre erweiterten die Polarwissenschaftler das Forschungs- und Messprogramm, was letztlich auch die Erfassung des atmosphärischen Ozons umfasste. Nach 17 Jahren Betriebszeit versank auch die zweite Station 14 Meter tief im Eis. So musste ein neues Zentrum für die Antarktisforschung errichtet werden.
Nahezu zehn Jahre dauerten Konzeption, Umweltverträglichkeitsstudie sowie die verschiedenen Planungs- und Bauphasen. Die Einzelteile wurden Anfang November 2007 in die Antarktis geflogen. Beim Bau der Neumayer-Station III kam ein Kässbohrer Pistenbully mit einem HIAB 085 Kran zum Einsatz. Dieser in Modularbauweise designte Kran mit einer Hubkapazität von bis zu 4.000 Kilogramm lässt sich exakt an die gegebene Anforderung anpassen. In einer Region, in der die inländische Jahresdurchschnittstemperatur bei minus 55 Grad Celsius liegt, ist robuste Technik unabdingbar – eine Qualität, die alle Krane aus dem Hause Hiab für sich in Anspruch nehmen können. Der eigentliche Baubeginn erfolgte Ende Oktober 2008 – von dieser Zeit an herrscht auf der Südhalbkugel Sommer, und somit ist das Klima nicht gar so lebensfeindlich.
Für die Montage der Station Neumayer III bedurfte es einer Baumannschaft von 90 Spezialisten. In einer beeindruckenden Leistung konstruierte das Team die 68 mal 24 Meter große Station. Heute ist die Neumayer III ein modernes Forschungszentrum mit Außenstationen. Diese befinden sich in 900 bis 1.500 Meter Entfernung, um durch den Stationsbetrieb die Messergebnisse nicht zu beeinflussen. In diesen Langzeitobservatorien erfolgt Magnetik-, Seismik-, Spurenstoff- und Akustikforschung.
Das Überwinterungs-Team besteht aus neun, maximal zehn Personen, die 14 bis 15 Monate in der Station leben und arbeiten. Mehr als die Hälfte der Zeit, über neun Monate, sind die Forscher nur über Funk mit der Außenwelt verbunden. Glücklicherweise haben sie einen Hiab Kran, der ihnen für jegliche Arbeit zuverlässig zur Seite steht.
Neumayer III
Als erste Forschungsstation in der Antarktis ist die Station Neumayer III ein kombiniertes Gebäude für Forschung, Betrieb und Wohnen auf einer Plattform oberhalb der Schneeoberfläche, verbunden mit einer in den Schnee gebauten Garage. Auf der Plattform sind innerhalb einer Schutzhülle insgesamt 100 Container mit Wohnräumen, Küche, Messe und Hospital sowie verschiedene Labore, Funkraum, Sanitärräume, eine Energiezentrale sowie eine Schneeschmelze untergebracht. Die Garage unterhalb der Station beherbergt Werkstätten, Vorrats-, Abfall- und Tankcontainer und bietet Stellplätze für die Pistenbullys und Motorschlitten. Die Schelfeiskante, an der die Versorgungsschiffe anlegen, liegt rund 16 Kilometer entfernt. Ein wesentliches Merkmal der neuen Station ist, die Beeinträchtigungen durch die wachsende Schnee- und Eisoberfläche mit Hilfe hydraulischer Hebevorrichtungen zu kompensieren, ohne dabei Bauteile im Schneegrund zu hinterlassen. Die Gesamtlast verteilt sich auf 16 Fundamentplatten. Vor dem Anheben der gesamten Station werden diese einzeln hydraulisch hochgezogen, mit Schnee verfüllt und anschließend der gesamte Garagenraum mit Schnee aufgefüllt. Die Außenmaße der Neumayer III betragen 68 mal 24 Meter bei einer Höhe von 29 Metern und einem Gesamtgewicht von 2.300 Tonnen. Der Polardiesel-Verbrauch für Heizung, Strom und Fahrzeuge liegt im Jahr bei rund 315.000 Litern.